Ein Tag im Leben eines FaMI

~Arbeitsbeginn~

Nach einem kurzen Blick in das städtische Intranet und den Kalender schaue ich nach meinen E-Mails und kümmere mich darum.

Danach beginne ich mit den Personenrecherchen. Hierbei handelt es sich um verschiedene Anfragen zu Personenstandsregistern.

Diese Anfragen kann man sich ungefähr so vorstellen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin auf der Suche nach dem Heiratsregistereintrag meiner Großeltern, weil ich darüber die Namen meiner Urgroßeltern herausfinden möchte. Sie hießen Friedrich und Sophie König und haben im Sommer 1916 in München geheiratet.

Mit freundlichen Grüßen,
Friedrich Groß

oder auch:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir wurde beauftragt die unbekannten Erben von Ludwig König gestorben am 13.06.2021 ermitteln.

Diesbezüglich bitten wir um Übersendung einer beglaubigten Kopie des Geburtsregistereintrags Luitpold Prinz (Erblasseronkel) Registernummer 1886/1980 Standesamt München II.
Kostenübernahme wird zugesichert, wir bitten diese per Rechnung zu erheben.

Mit freundlichen Grüßen
Maximiliana Mustererbenermittlerin

Bei manchen Anfragen stehen das Standesamt und die Registernummer mit drinnen. Das erspart mir – solange die Angaben korrekt sind – Arbeit, da ich diese Informationen nicht erst herausfinden muss.

In München gab es nicht nur ein Standesamt. Es gab die Standesämter München I bis IV sowie die Standesämter aller Vororte bis zu ihrer Eingemeindung.

Heute gibt es das Münchner Standesamt und das Standesamt München-Pasing.

Wenn Standesamt und Registernummer bekannt sind, gehe ich zum entsprechenden Registerbuch. Die Bücher sind nach einem System aufgestellt, dadurch weiß ich wo was steht. Dann suche ich den gesuchten Eintrag heraus und kopiere oder scanne ihn, je nach dem was gewünscht ist.

Das Registerbuch stelle ich an seinen Platz zurück. Das ist wichtig, denn bei über 9000 Registerbüchern und Kartons mit zugehörigen Unterlagen findet man ein Buch, das an der falschen Stelle steht, so schnell nicht wieder.

Standesamtsregister in einem Regal; die Heiratsbücher aus dem Jahr 1938 haben rote Buchrücken mit schwarzer Schrift, die Sterberegister von 1988 gelbe Buchrücken mit schwarzer Schrift.
Heiratsregister von 1938 (rot) und Sterberegister von 1988 (gelb)

Wenn Standesamt und Registernummer nicht bekannt sind, schaue ich in den Namensverzeichnissen nach.

Während normale Registerbücher zum Beispiel die Sterberegister 1921 Standesamt München I, Nummer 2000-2500 enthalten, enthält ein Namensverzeichnis eine Liste alle Sterbefälle des Jahres 1921 im Zuständigkeitsbereich des Standesamtes München I.
In diesem Verzeichnis sind Nachnamen der gestorbenen Personen alphabetisch geordnet.
Die Standesämter I bis IV haben für Geburts-, Heirats-, und Sterberegistereinträge für fast jedes Jahr eigene Übersichtsbücher.
Bei den eingemeindeten Vororten kommt es vor, dass alle Registrierungsarten aus mehreren Jahren in einem Übersichtsbuch erfasst sind.

In den Namensverzeichnissen suche ich dann nach der Zeile, in der steht, welche Registernummer der gesuchte z. B. Heiratsregistereintrag hat. Da jedes Standesamt eigene Namensverzeichnisse geführt hat, schaue ich meistens ein bis vier Bücher durch, bis ich die gesuchte Information auch gefunden habe.

Namensregister zu den Standesamtsregistern in mehreren Regalen
Namensregister verschiedener Standesämter

Sobald ich das Standesamt und die Registernummer weiß, kann ich, wie oben beschrieben, vorgehen (Registerbuch holen, Eintrag kopieren…).

Das funktioniert allerdings nur, wenn ich genug Informationen bekomme.
Bei einer Anfrage wie „Mein Urgroßvater wurde zwischen 1892 und 1904 in München geboren.“ kommt ich hier nicht weiter, da ich im Zweifel über 40 Bücher durchschauen müsste.

Da ich an diesem Beispielarbeitstag aber genau so eine Anfrage habe, gehe ich in den Südbau. Dort befinden sich bei uns die Einwohnermeldeunterlagen. In einem Stockwerk befinden sich die Polizeilichen Meldebögen, die Vorgänger der Meldekarten. Sie beginnen in den 1820er Jahren.

In einem anderen Stockwerk ist die Einwohnermeldekartei zu finden, diese beginnt in den 1920er Jahren.

Regal mit zu Bündeln geschnürten Einwohnermeldekarten
Regal mit zu Bündeln geschnürten Einwohnermeldekarten

Die Polizeilichen Meldebögen und Einwohnermeldekartei sind nach dem phonetischen Alphabet sortiert. Das bedeutet, dass die Nachnamen nicht nach ihrer Schreibweise, sondern nachdem, wie man sie ausspricht, sortiert wurden.

Das hat den Vorteil, dass man Herrn Franz Mayr findet, auch wenn man davor nicht weiß, wie man den Familiennamen genau schreibt.

Das bedeutet aber auch:
Geller und Köhler werden zusammen geordnet (e und ö haben den selben phonetischen Lautwert), genauso wich Pichler und Bichler (P und B haben ebenfalls den selben phonetischen Lautwert).

Nachdem ich im entsprechenden Findbuch der Einwohnermeldekartei nachgeschaut habe, hole ich den Packen mit Meldekarten, in dem sich die Meldekarte des gesuchten Herrn befindet. Auf der Meldekarte steht nicht nur sein Geburtsdatum, sondern auch Standesamt und Geburtsregisternummer sind vermerkt. Jetzt weiß ich, wo genau ich den Registereintrag finde, ohne 40 Bücher durchschauen zu müssen.

Seite aus dem Findbuch für die Einwohnermeldekarten. Zu sehen sind die Bündel für den Nachnamen Meier in verschiedenen Schreibweisen.
Seite aus dem Findbuch für die Einwohnermeldekarten. Zu sehen sind die Bündel für den Nachnamen „Meier“ in verschiedenen Schreibweisen.

Was bei Melderecherchen noch zu beachten ist: Ehefrauen haben im Normalfall keine eigene Meldekarte, sie sind auf der Karte ihres Ehemannes vermerkt. Das kann sehr unpraktisch sein, wenn man eine verheiratete Anna Müller sucht, aber den Vornamen ihres Ehemannes nicht kennt. Denn sie steht ja auf seiner Karte und die ist entsprechend seinem Vornamen sortiert.

Heute ist das nicht mehr so und die Meldekarten der Stadt München werden auch nicht mehr auf Papier sondern seit 1978 elektronisch geführt.

Wenn ich eine Anfrage habe, bei der ich auch hier nicht weiterkomme, aber die Adresse weiß, können mir vielleicht die Stadtadressbücher oder die Hausbögen weiterhelfen. Je nach Anfrageninhalt kann ich auch in der Bestattungskartei fündig werden.

Stahlschränke mit zwei offenen Schubladen, die den Blick auf die sogenannten Hausbögen ermöglichen. Die Bögen sind nach Adressen sortiert.
Hausbögen nach Adressen sortiert

Wir bekommen Personen- und Melderecherchen, wegen verschiedenster Anliegen. Auf den ersten Blick scheinen manche nicht lösbar, aber wenn man über genug Ecken denkt, hat man gute Chancen, das Gesuchte doch noch zu finden. Dazu muss man wissen, über welche möglicherweise hilfreichen Bestände man verfügt und im Zweifel einiges an Geduld mitbringen.

~Mittagspause~

Ich öffne die E-Akte und sehe, dass ich mehrere neue Anfragen bekommen habe. Da manche Anfragen an das Stadtarchiv gebührenpflichtig sind, frage ich bei den Anfragesteller*innen nach, ob sie bereit sind die Gebühren zu übernehmen. Denn nur, wenn die Gebühren übernommen werden, wird die Anfrage bearbeitet. Also schreibe ich entsprechende E-Mails oder rufe an, je nachdem welche Kontaktdaten ich habe.

Den Rest des Arbeitstages widme ich mich meinem aktuellen Erschließungsprojekt.

Ich verzeichne eine Abgabe der Kammerspiele, genauer gesagt ist gerade die „Schauspielerkartei“ an der Reihe.

Dabei handelt es sich um eine Kunststoffbox mit ungefähr DIN A4 großen Papierkarten. Auf ihnen stehen Name, Kontaktdaten und Informationen darüber, bei welchen Stücken die Schauspielerin oder der Schauspieler bei den Münchner Kammerspielen beteiligt war.

Auch das Geburtsdatum und eine Liste der bisherigen Engagement bei anderen Theatern sind oft vermerkt. Bei grob geschätzt einem Drittel bis Viertel der Karten ist ein Foto angetackert.

Meine Aufgaben sind die Tackernadeln zu entfernen, die Fotos in Fotohüllen und die Karten in Archivmappen umzupacken. Dadurch sind sie deutlich besser vor Staub, Schädlingen, Wasser und – dem natürlichen Feind der Archivalie – dem Archivar geschützt.

Außerdem verzeichne ich Namen der Schaupieler*innen, Laufzeit der Karten und einiges andere in die Datenbank Scope Archiv.

Ausschnitt aus der Nachweisdatenbank ScopeQuery: Verzeichnugnseinheiten zur Schauspielerkartei der Kammerspiele
Ausschnitt aus der Nachweisdatenbank ScopeQuery: Verzeichnugnseinheiten zur Schauspielerkartei der Kammerspiele

Dadurch können Nutzer*innen über die Webseite des Stadtarchivs auf diese Daten zugreifen.

~Arbeitsende~

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