„gehört – gelesen“ oder warum ein Archiv eine Bibliothek braucht

Das Medienerlebnis „gehört – gelesen“ wurde ab den 50er Jahren vom Bayerischen Rundfunk für seine Hörer zur Verfügung gestellt. Die Idee war, gehörte Sendungen nachlesen zu können. Lange bevor es das Internet oder gar Podcast-Angebote gab, bei denen heutzutage der Abruf einzelner Sendungen selbstverständlich ist, standen ausgewählte Hörfunksendungen in dieser Zeitschrift als Skript auch nach der Ausstrahlung im Funk zur Verfügung.

Dieses etwas altbackene Konstrukt können Nutzer*innen auf die Amtsbibliothek des Münchner Stadtarchivs übertragen. Nicht dass die Bibliothek des Stadtarchivs altbacken wäre, ganz im Gegenteil. Auch das Stadtarchiv ist im Laufe der Jahre moderner geworden und nutzt zeitgemäße Technologien. Dennoch gibt es Parallelen in der Anwendung. Die meisten Bücher gibt es weder als Hörbuch, Podcast noch digital.

Gebundene Zeitschriftenbände "gehört-gelesen" aus den Jahren 1970 bis 1973
Gebundene Zeitschriftenbände „gehört-gelesen“ aus den Jahren 1970 bis 1973

Unterstützung der Forschung

Zudem soll der Bestand der Bibliothek als Unterstützung und Ergänzung für Forschende des Archivguts dienen, sowohl für Mitarbeitende des Archivs als auch für Nutzer*innen des Lesesaals. Wem eine Information in einer Archivalie untergekommen ist, kann also prüfen und nachlesen, wenn diese anderweitig zur Forschung verwendet wurde.

Gewonnene Erkenntnisse aus Archivalien, die bislang unveröffentlicht sind, können im Zusammenspiel mit bereits entstandenen Veröffentlichungen zu etwas Neuem führen. Unabhängig davon befinden sich in der Bibliothek nicht nur herausragende Bücher und Zeitschriften von anno dazumal, sie wird regelmäßig mit Neuerscheinungen bestückt.

Nicht zuletzt finden sich in der Bibliothek zahlreiche Belegexemplare und Eigenproduktionen, die bereits durch Forschung im Archiv entstandenen sind.

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Wie unterschiedlich Weihnachten sein kann – ein Streifzug durch Münchner Weihnachtsgeschichten

Weihnachten gilt heute vielen als Fest der Ruhe, der Familie, der Lichter und der Geschenke. Kurzum: Weihnachten gilt als Fest der Liebe!

Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Weihnachten war nie nur besinnlich und lieblich. Es war politisch, brutal, prunkvoll – und manchmal einfach nur ein Wunsch nach etwas Alltäglichem. Wie unterschiedlich Weihnachten sein kann, zeigt ein Streifzug durch mehrere Jahrhunderte Münchner Geschichte.

Weihnachten 1504: Eid, Macht und Gewalt

Der 26. Dezember 1504, der St.-Stephanstag.

In München herrscht keine festliche Ruhe, sondern angespannte Ordnungspolitik. Der Landshuter Erbfolgekrieg tobt, die Stadt ist politisch sensibel.

An diesem Tag wird der Innere Rat der Stadt München durch Herzog Albrecht IV. bestätigt und vereidigt. Das Ratsprotokoll hält nüchtern fest, dass der neu gewählte Rat „den gewönnlichen Eid“ auf den Herzog schwört – in seiner Anwesenheit und der seiner Räte. An diesem Weihnachten ist vielleicht nur wenig Rückzug ins Private möglich, vielmehr ist es ein Moment der Machtdemonstration: Der Herzog sichert sich Loyalität, gerade jetzt.

Doch die Kehrseite dieser Ordnung zeigt nur wenige Tage zuvor: Am 19. Dezember 1504 wird der Landsknecht Ulrich Rapp hingerichtet – bei lebendigem Leib gevierteilt, ein in München nur einmal nachweisbarer Vorgang. Meuterei, Landesverrat, geheime Absprachen mit dem Feind: Das Urteil soll abschrecken. Das Stadtgerichtsprotokoll endet lakonisch mit den Worten: „ist gefiertaillt an pfintztag vor Thome apostoli“.

Weihnachten 1504 bedeutet für manche Eid und Amt, für andere Tod und öffentliche Gewalt. Besinnlichkeit? Fehlanzeige.

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Paul Heyse – Münchens erster Nobelpreisträger für Literatur und ein Grab mit Stil

München um 1900: Künstler, Dichter und Denker treffen sich in den Cafés rund um den Königsplatz. Zwischen den dampfenden Kaffeetassen und Zigarrenrauch und dichterischem Ehrgeiz sitzt oft einer, der mit seiner Eleganz und seinem feinen Witz auffällt – Paul Heyse. Schriftsteller, Übersetzer, Menschenfreund, Lebenskünstler. Ein Mann, der es schaffte, ganze Generationen zum Träumen zu bringen – und 1910 den Nobelpreis für Literatur erhielt.


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München nach Olympia 1972 – Brennpunkt Kommunalwahlkämpfe

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Veranstaltung
München nach Olympia 1972 – Brennpunkt Kommunalwahlkämpfe
Historische Rückblicke – Interviews – Kurzvorträge – Diskussion

Veranstaltungsort: Großer Sitzungssaal, Neues Rathaus, Marienplatz 8, 80331 München
Datum: 15. Oktober 2025 von 19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Das Programm:

  • Begrüßung und Moderation: Dr. Daniel Baumann, Leiter des Stadtarchivs München
  • Grußwort: Anne Hübner, ehrenamtliche Stadträtin der Landeshauptstadt München, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion
  • Kurzvortrag: PD Dr. Thomas Schlemmer, Institut für Zeitgeschichte München – Berlin: Politische Strukturen und Wahlen in München 1966 bis 1994
  • Videointerviews: Zeitzeug*innen blicken auf die Münchner Kommunalwahlkämpfe zurück, u.a. mit:
    • Wolfgang Czisch (1973-1996 ehrenamtlicher Stadtrat (SPD))
    • Horst Haffner (1978-1988 ehrenamtlicher Stadtrat (FDP), 1988-2004 Baureferent)
    • Dr. Siegfried Hummel (1988-1998 Kulturreferent)
    • Friedel Schreyögg (1985-2008 Leiterin der Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt München)
  • Kurzvortrag: Prof. Dr. Marita Krauss, Universität Augsburg: „Uns sind 400.000 Mieter wichtiger als eine Handvoll Baulöwen und Spekulanten“. Wahlkampfthemen der Ära Kronawitter und Kiesl

Anschließend: Fragen aus dem Publikum

Veranstalter: Landeshauptstadt München, Direktorium – Stadtarchiv und Kulturreferat – Abt. 4: Public History München, in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München – Berlin und dem Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg

Verbindliche Anmeldung unter https://veranstaltungen.muenchen.de/stadtarchiv/veranstaltungen/1972-kommunalwahlkaempfe/


Datenschutz ist uns ein wichtiges Anliegen. Daher möchten wir Sie darauf hinweisen, dass bei der Veranstaltung Fotos gefertigt werden, insbesondere Übersichtsaufnahmen. Die Aufnahmen finden im Rahmen unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Verwendung. Wenn Sie nicht fotografiert werden möchten, sprechen Sie bitte vor der Veranstaltung den anwesenden Fotografen oder die anwesende Fotografin an, damit Ihr Wunsch berücksichtigt werden kann.

„Auf Befehl der Militärregierung….“

Fingerabdrücke sind bei jedem Menschen individuell und für die Arbeit der Polizei auch heute nicht wegzudenken. Das FBI besaß bereits Ende der 1940er Jahre über 100 Millionen Fingerabdrücke von verurteilten Verbrechern, Verdächtigen, von Mitarbeitenden im militärischen Bereich und Ausländerinnen und Ausländern. Das Bundeskriminalamt verarbeitete 2024 rund 1,1, Millionen Fingerabdrücke. Und auch im Stadtarchiv findet sich eine Sammlung von 418 dicht gefüllten Archivboxen mit Fingerabdrücken der Münchner Bevölkerung. Fingerabdrücke im Archiv? Auf den ersten Blick mag das verwundern. Die Hintergründe für diese archivische Quelle führen in den Sommer 1945.

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Stadtarchiv unter Strom – Wie das Münchner Stadtarchiv die Sonne für den Klimaschutz nutzt

Wo sonst Urkunden, Akten, Filme und Fotografien aus Jahrhunderten sorgsam aufbewahrt werden, wird jetzt auch aktiv Energie für die Zukunft erzeugt: Das Münchner Stadtarchiv produziert ab sofort eigenen Solarstrom – direkt vom Dach seines Magazinneubaus.

Blick über das Dach mit Photovoltaik-Platten, im Hintergrund der Olympiaturm
Photovolthaik auf dem Dach des Stadtarchivs, Foto: Jörg Steffens

Wenn Geschichte auf Zukunft trifft

Das Stadtarchiv München ist nicht nur ein Ort für historische Schätze, sondern nun auch ein echtes Vorzeigeprojekt in Sachen Klimaschutz. Auf dem rund 860 m² großen Dach des Magazinneubaus an der Winzererstraße wurde in enger Zusammenarbeit von Baureferat, Kommunalreferat und Stadtarchiv eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage installiert, die jährlich rund 100.000 kWh Sonnenstrom liefert. Das entspricht einer CO₂-Ersparnis von rund 42 Tonnen pro Jahr – ein beachtlicher Beitrag auf dem Weg zur klimaneutralen Stadtverwaltung.

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Skandal um Josy

Eine außergewöhnliche Frau erobert Europa

Am 12. April 1975 stirbt die Frau, die im Oktober 1925 mit ihrem ersten Auftritt in Paris das Publikum in ganz Europa verzauberte. Die US-amerikanische Tänzerin und Sängerin Josephine Baker führte das erste Mal live in Europa einen neuen Tanz aus Amerika vor, den Charleston. Der Tanz war für die damalige Zeit außergewöhnlich und noch viel mehr die Tänzerin: Sie besaß nicht nur eine schwarze Hautfarbe, sondern ihr Auftrittskostüm bestand teilweise lediglich aus einem Lendenschurz mit Bananen – ein Skandal für die zeitgenössisch konservativen Kreise.

Porträt von Josephine Baker, 1950
Porträt von Josephine Baker, 1950, DE-1992-FS-PER-B-0037-01
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Die Gesellschaft für Außenpolitik übergibt bedeutende Unterlagen an das Stadtarchiv München

Die Gesellschaft für Außenpolitik hat im Sommer des vergangenen Jahres ihre zentralen Aktenbestände aus dem Zeitraum zwischen 1948 und 2008 an das Stadtarchiv München abgegeben. Die Dokumente umfassen Protokolle und Mitschriften der Mitgliederversammlungen und der Vorstands- und Ausschusssitzungen, Tätigkeits- und Geschäftsberichte sowie die Geschäfts- und Mitgliederkorrespondenz. Eine umfangreiche Überlieferung befasst sich mit der Durchführung und Dokumentation der Vortragsveranstaltungen. Damit wird die Tätigkeit der Gesellschaft, die sich im Jahr 1948 als Gesellschaft für Auslandskunde gründete, von Beginn an über mehr als ein halbes Jahrhundert hinweg ausführlich dokumentiert.

Einladung zum Festvortrag "Europäische Friedensordnung in einer multipolaren Welt" durch Hans-Dietrich Genscher, 1988
Einladung zum Festvortrag am 15. Dezember 1988 anlässlich des 40-jährigen Bestehens der Gesellschaft.
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Mit Brief und Siegel

In der ständischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts gehörte die Erhebung in den Adelsstand zu den größten Gunsterweisung, die der Souverän seinen Untertanen oder Dienern gewähren konnte. Eine sogenannte Standeserhöhung vermehrte das Renommee, erleichterte den Zugang in die Hofgesellschaft und stellte nicht zuletzt eine hohe persönliche Auszeichnung dar. Dem Münchner Franz Xaver Marcktreither, der seit vielen Jahren im Marstall des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph (reg. 1745-1777) „nutzliche und getreue Dienst geleistet“ hatte, sollte diese Standeserhöhung im Jahr 1755 gelingen.

Der Adelsbrief mit Siegelkapsel und Blechschatulle
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Der Lesesaal im Stadtarchiv geht in die Zukunft

Auch ein Lesesaal kommt in die Jahre – zumindest was die elektronische Ausstattung betrifft. So wurde im Sommer 2024 die Deckenbeleuchtung des Lesesaals erneuert und damit ein höherer Grad an Helligkeit hergestellt. Dies erleichtert die Arbeit an den Originaldokumenten ebenso wie auch die Suche in der gut aufgestellten Handbibliothek im Lesesaal.
Da die meisten Besucher*innen des Lesesaals mittlerweile mit eigenem Laptop arbeiten, gibt es schon seit vielen Jahren Steckdosen am Arbeitsplatz. Auch kostenfreies WLAN ist vorhanden.

Eigenständiges Scanen von Archivalien mit dem Bookeye

Was die Arbeit nun aber sowohl für die Besucher*innen als auch für die Mitarbeiter*innen im Lesesaal erheblich erleichtert, ist ein Bookeye, welches seit Jahresanfang zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um einen Scanner, mit dem die Benutzer*innen selbst nun auch aus gebundenen Archivalien digitale Kopien erstellen können. Bisher konnten Benutzer*innen nur aus nicht gebundenen Archivalien und standesamtlichen Registern mit eigenen Geräten digitale Aufnahmen fertigen.

So sieht der neue Buchscanner aus.
Durch die Buchwippe können nun auch gebundene Unterlagen schonend gescannt werden.

Zum Speichern benötigen sie einen USB-Stick, den sie selbst mitbringen oder um einen Preis von 10 Euro erwerben können. Nach wie vor gilt, dass nur aus Archivgut, das älter als 60 Jahre ist, von den Benutzer*innen selbst digitale Aufnahmen gefertigt werden dürfen.

Einschränkungen des Scannens durch Benutzer*innen

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass keine archivischen oder datenschutzrechtlichen Schutzfristen oder konservatorische Belange entgegenstehen. Unterliegt das Archivgut noch urheberrechtlichen Einschränkungen, dürfen die selbst angefertigten Fotos oder Scans nur für persönliche Zwecke bzw. Arbeitszwecke verwendet werden. Digitale Kopien oder Reproduktionen von Fotos müssen weiterhin beim Stadtarchiv in Auftrag gegeben werden.

Hochauflösende Reproduktionen weiterhin bestellbar

Wer nicht selbst fotografieren möchte bzw. hochauflösende Scans zur Veröffentlichung benötigt, kann natürlich nach wie vor einen kostenpflichtigen Reproduktionsantrag in Auftrag geben. So schnell wie möglich erhalten die Kund*innen dann die gewünschten Scans entweder über unsere Datenaustauschplattform, per Postversand oder durch Abholung.

Überzeugen Sie sich einfach vor Ort von den Neuerungen in unserem Lesesaal. Wir freuen uns auf Sie!