Als Archiv-FaMI in der Berufsschule

Die Ausbildung zum/zur FaMI umfasst neben der Ausbildung im Betrieb und externer Praktika auch fachtheoretischen Unterricht in der Berufsschule. Der Berufsschulunterricht findet an der Berufsschule für Medien München statt. Die Berufsschulblöcke dauern in der Regel zwei bis vier Wochen.

Eine kleine Auswahl unserer Schulfächer:
Sport, Medienerschließung, Beruf und Branche, Medienanalyse, Kundenservice und Beratung, Medienmarketing – in dieser Ausbildung geht es wohl um irgendwas mit Medien 😉
Jedes Jahr haben wir einen regulären Stundenplan, der durch zwei Kurse ergänzt wird. Diese Kurse kann man mehr oder weniger frei wählen.
Als Kurse gibt es unter anderem Literatur, Werbepsychologie, Kommunikationskompetenz, Entspannungstechniken und Spanisch.

Unsere Klasse – im Stadtarchiv München sind wir zwei Azubis im dritten Ausbildungsjahr – bestand hauptsächlich aus den Fachrichtungen Bibliothek (wissenschaftliche), Information und Dokumentation und Archiv. Die Bibliotheks-FaMI aus den öffentlichen Bibliotheken waren in der Parallelklasse.

In manchen Fächern wurden wir aufgeteilt, die Bibliotheks-FaMI getrennt vom Rest der Fachrichtungen.

Eine kleine Auswahl an Unterrichtsthemen, die wir behandelt haben (ohne Facherwähnung, unabhängig des Ausbildungsjahres):

  • Die verschiedenen Archivsparten
  • Ein typisches Recherchegespräch
  • Bestandserhaltung
  • Information-Retrieval-Modelle
  • Statistik
  • EZB
  • Arbeitslosenquote
  • Arbeitsschutzgesetze
  • Was steht im Ausbildungsvertrag
  • Fernleihe
  • Systematik, Aufstellung und Signatur
  • Honorare für Fotos bei Fotoagenturen
  • Werbestrategien
  • Zielgruppenanalyse
  • Arten von Kosten
  • Marketing und Marktsituation
  • Urheberrecht und Recht am Bild

Von einem Fach möchte ich etwas mehr erzählen – Medienerschließung – das wir getrennt von den Bibliotheks-FaMI hatten.

In Medienerschließung ging es u.a. um Klassifikationen, Signaturen, Begriffshierarchien, Äquivalenzklassen und Vorzugsbenennungen. Mein persönliches Highlight war das Erstellen eines Ordnungssystems. Das Thema durfte man sich aussuchen. Von IKEA-Möbel über Giftpflanzen bis Rasenmäher stand gefühlt jedes Thema zur Auswahl, weil man zu so vielem ein Ordnungssystem erstellen kann.

Im Groben war die Aufgabenstellung ein Ordnungssystem zu erstellen, mit einem hierarchischen und einem alphabetischen Teil. Es sollte etwa 150-200 Deskriptoren haben. Vereinfacht bedeutet das: Wenn ich in meinem Ordnungssystem Pilze sortiere, dann können Steinpilze, Pfifferlinge und Dickröhrlingsartige drei meiner 150-200 Deskriptoren sein.

„Reahal“ (bayerisch für Pfifferling) kann auch aufgenommen werden, zählt aber nicht zu den 150-200 Deskriptoren, da es eine andere Benennung („Nicht-Vorzugsbenennung“) für Pfifferlinge ist.

In meinem Ordnungssystem habe ich Fußballer sortiert, genauer gesagt „Alle Fußballer, die zwischen 1990 und 2018 in der deutschen Fußballnationalmannschaft aktiv waren und mindestens zwei Spiele für Deutschland bestritten haben.“

zahlreiche, auf dem Boden, verteilte Seiten mit einer Klassifikation über Nationalspieler im Fußball
Das Ordnungssystem zu den Fußballern umfasst durchaus einige Seiten…

Der Anteil der Fächer und deren Inhalt, die etwas mit unserem Alltag im Archiv zu tun haben, fiel eher gering aus. Ausgenommen den Archivunterricht, den wir im zweiten Ausbildungsjahr einmal die Woche hatten.

Das Transkribieren von Texten in Kurrent-/ Sütterlinschrift haben wir übrigens nicht in der Berufsschule gelernt, das wurde uns jeweils im Betrieb beigebracht. Im erwähnten Archivunterricht – der ins Stadtarchiv München ausgelagert ist und nicht auf dem Berufsschulgelände stattfindet – haben wir einige Male entsprechende Texte gelesen.

Gerne hätte ich in der Berufsschule noch mehr archivbezogene Theorie gelernt, doch leider sieht dies der Stundenplan nicht vor. Dafür habe ich meiner praktischen Ausbildung im Stadtarchiv München ein fundiertes und umfachreiches Wissen vermittelt bekommen.

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