Centa Hafenbrädl – eine Pionierin der Münchner Nachkriegspolitik und Urgestein der Münchner CSU

Kurz vor ihrem 132. Geburtstag übergab Gerhard Hafenbrädl, der Großneffe der ehemaligen Stadträtin Centa Hafenbrädl, dem Stadtarchiv München deren Nachlass. Der Leiter des Stadtarchivs, Dr. Daniel Baumann, bedankt sich herzlich bei ihm für sein Vertrauen und die bereits geleistete Arbeit bei der Sichtung und Sortierung des Nachlasses. Der Nachlass umfasst neben persönlichen Zeugnissen auch viele Unterlagen zu ihrer politischen Laufbahn, die für die Erforschung der Nachkriegsgeschichte von großer Bedeutung sind. Doch wer war nun Centa Hafenbrädl?

Das Bild zeigt die Stadträtin Centa Hafenbrädl
Centa Hafenbrädl (1894-1973)
(StadtAM-DE-1992-FS-PER-H-0040-01_a)

Frühes Leben und Ausbildung

Centa Hafenbrädl erblickte am 3. Mai 1894 in Übersee am Chiemsee als zweites Kind des Schneidermeisters Franz Xaver Hafenbrädl und seiner Frau Maria, geb. Damberger, das Licht der Welt. Sie hatte eine ältere Schwester Maria, die 1893 geboren wurde, und zwei jüngere Brüder, welche aber beide schon im Kindesalter verstarben. Die Familie zog 1896 nach München, wo der Vater als städtischer Laternenwärter eine Anstellung fand. Um das Familienbudget aufzubessern, war er auch immer wieder als Schneider tätig.1 Centa absolvierte zunächst die Volksschule und die Handelsschule. Danach war sie in kaufmännischen Berufen in München tätig.
Vom Oktober 1917 bis April 1919 besuchte sie die „Soziale und Caritative Frauenschule des kath. Frauenbundes in Bayern“ in der Theresienstraße 25. Diese von der späteren Landtagsabgeordneten Ellen Amman (1870-1933) im Jahr 1909 gegründete Schule ist eine von mehreren Ausbildungsstätten, aus der 1970 die Katholische Stiftungshochschule entstand. Nach dem erfolgreichen Abschluss, ihre Schulzensuren waren durchwegs sehr gut bis gut, war Centa Hafenbrädl 1919 bis 1920 Bezirkssekretärin an der „Sozialen Hochschule Leohaus“ in der Münchner Pestalozzistraße und 1920 bis 1921 Chefsekretärin bei der HANSA-Bank in der Herzogspitalstraße. Im August 1921 wechselte sie in staatliche Dienste, indem sie Referentin für Frauenarbeit für Nordbayern mit Sitz in Nürnberg am Ministerium für Soziale Fürsorge in Bayern wurde. Für diese Aufgabe, wie sie 1946 selbst niederschrieb, fühlte sie sich aber noch zu jung. So ging sie ein Jahr später wieder zurück zur HANSA-Bank, in deren Anstellung sie bis Herbst 1924 blieb.2 Im Anschluss daran war sie bis Dezember 1930 Prokuristin bei Siemer & Co, München, einem Spezialreisebüro für Gesellschafts- und Akkordreisen, beschäftigt. Es war ihr eigener Wunsch auch die „nördlichen Teile Deutschlands“ kennenzulernen und so führte sie ihr Weg 1931 nach Düsseldorf, um die Leitung des dortigen Reisebüros „Mittag“ mit zehn Filialen zu übernehmen.

Politische Laufbahn und sozialer Einsatz

1943 fiel ihre dortige Wohnung und das Geschäft den Bomben zum Opfer und so kam sie nach München zurück. Hier fand sie beim amtlichen bayerischen Reisebüro Arbeit bis sie im Februar 1945 beim Städtischen Kriegsschadensamt dienstverpflichtet wurde. Im Oktober 1945 wechselte sie zum Wohlfahrtsamt und übernahm schließlich im April 1946 die Leitung der Münchner Nothilfe. Im Juli 1947 schied sie auf eigenen Wunsch aus der Stadt München aus. Mittlerweile in den Stadtrat gewählt, wollte sie nämlich beruflich wieder im Reisebereich arbeiten. So gründete sie mit dem Inhaber des Düsseldorfer Handelsblattes, Karl Kemperdick, das „Progreß-Reisebüro“ in München als dessen Teilhaberin. Ebenso war sie Teilhaberin des Düsseldorfer Handelsblattes an der Zweigstelle München.

Bereits im Oktober 1945 trat Centa Hafenbrädl der CSU bei und kandidierte sogleich bei der Stadtratswahl 1946 für ihre Partei auf Listenplatz 24 für den Münchner Stadtrat. Zum Zug kam sie allerdings erst im November 1947, als sie für Zita Zehner (1900-1978) nachrückte, die in den Bayerischen Landtag gewechselt war. Insgesamt fünf Mal sollte sie in den Stadtrat gewählt werden, wo sie unter anderem als Koreferentin im Sozialreferat und später im Personalreferat wirkte.3

Das Bild zeigt den Dienstausweis von Centa Hafenbrädl als Stadträtin aus dem Jahr 1947. Sie trägt einen großen Hut und auf dem Ausweis sind die Vergünstigungen, die eine Stadträtiin genoss, unter anderem freie Eintritte in Museen, verzeichnet.
Dienstausweis für Centa Hafenbrädl als Stadträtin in München aus dem Jahr 1947
(StadtAM-DE-1992-BUR-2992)

Die Linderung der Not der Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg lag ihr besonders am Herzen. So engagierte sie sich unter anderem für das ihr als Verwaltungsrätin zugewiesene Altenheim Heilig Geist am Dom-Pedro-Platz und für die Jugend in den verschiedenen Ausschüssen. Die große Motivation hierfür war der christliche Glaube und ihre enge Bindung an die katholische Kirche, deren Soziallehre sich nach dem Krieg mit dem Jesuiten Oswald von Nell-Breuning (1890-1991) neu formierte. Zudem war sie stellvertretende Vorsitzende des Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising.

Das Bild zeigt Centa Aschenbrenner an einem Rednerpult bei einer Rede zu einem Fest vor dem Altenheim Heilggeist am Dom-Pedro-Platz umringt von Mädchen in weißen Kleidern, Nonnen und Geistlichen. Auf dem Balkon des Gebäudes hinter der Rednerin stehen Seniorinnen des Altenheims.
Centa Hafenbrädl bei einer Rede vor dem Altenheim Heilig-Geist am Dom-Pedro-Platz, dessen Verwaltungsrätin sie war.
(StadtAM-DE-1992-FS-ERG-B-2296)

Herausforderungen und Kontroversen

Mehrmals war sie aufgrund ihrer katholischen Einstellung ins Visier des Magazins „Der Spiegel“ geraten. Einmal war es ihr vehementes Einschreiten gegen den Dirnenstrich im Bahnhofsviertel. Ein andermal war es ihre Einstellung Trambahnschaffnerinnen gegenüber, deren Einsatz sie kategorisch ablehnte, da diese mit den Männern kokettieren würden. Wieder ein andermal war ihr Widerstand gegen eine Straßenbenennung nach Kurt Eisner aufgrund ihrer Erfahrungen in der Revolution 1919 dem Spiegel ein Artikel wert.

Das Bild zeigt Centa Hafenbrädl auf einer Afrikareise in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf einem Kamel reitend begleitet von einer Freundin auf einem Kamel neben ihr und Beduinen.
Centa Hafenbrädl (rechts) auf einer Afrikareise ca. 1955
(StadtAM-DE-1992-NL-HAF-01)


Nick Knatterton und Centa Hafenbrädl – Kombiniere

Europaweit schaffte es München dann aber mit Centa Hafenbrädl im Frühsommer 1955 in die Schlagzeilen der internationalen Presse.4 Die Bäderbetriebe der Stadtwerke München hatten eine Werbekampagne auf den Rückseiten der Straßenbahnfahrscheine gestartet. Dafür konnten sie den für die Zeitschrift „Quick“ tätigen Manfred Schmidt gewinnen, der sich selbst als „Edelkommunisten“ bezeichnete. Schmidt war mit seiner Comicfigur, dem Meisterdetektiv Nick Knatterton, seit Anfang der 50iger recht bekannt. Die nach Ansicht konservativer Kreise doch recht freizügigen Zeichnungen, setzten nach Meinung vieler Münchner*innen die Bäderbetriebe mit Bordellen gleich.5

Fahrkartenrückseiten mit Comicdarstellungen Nick Knatterton
Fahrkartenrückseiten mit Comicdarstellungen „Nick Knatterton“
(StadtAM-DE-1992-NL-HAF)

Centa Hafenbrädl war damals zwar nicht die einzige, aber sie war eine sehr gewichtige Stimme der CSU-Stadtratsfraktion und als strenge und bekennende Katholikin schnell ihr Sprachrohr. Zu der Werbekampagne kam es bei Stadtratssitzung am 21. Juni 1955 zu einer sehr lautstarken Aussprache zwischen Dr. Erwin Hamm, dem Leiter der Verkehrsbetriebe und städtischen Bäder, und Centa Hafenbrädl. Es ging über die Werbung, deren Geschmack und das Wort „Sex“, denn Hafenbrädl hatte gemeint, die Werbung habe „zu wenig Geschmack und zu viel Sex“6. Obermbürgermeister Wimmer soll sich in diesem Streit während der Sitzung, obwohl er eine doch sehr laute Stimme hatte, schwer durchgesetzt haben. Schlussendlich wurde die Werbung nicht verlängert und Hamm konstatierte mit einem Augenzwinkern in einem Brief an Centa Hafenbrädl im Nachgang vom 30. Juni 1955: „Ich finde aber, dass Du mit der Anfrage in den Zeitungen so viel genannt worden bist, wie überhaupt noch nie, so dass Du mit dem Erfolg doch recht zufrieden sein kannst.“7

Bericht der Quick zur Stadtratssitzung vom 21. Juni 1955.
Bericht der „Quick“ zur Stadtratssitzung vom 21. Juni 1955.
(StadtAM-DE-1992-NL-HAF-Quick-Nr. 27 vom 2. Juli 1955, S. 10)

Ob sie zufrieden war? Centa Hafenbrädl ging es um die Aufrechterhaltung der sittlichen Ordnung, einem Anliegen der Adenauerrestauration im Besonderen. Sie daher auf moralische Engstirnigkeit zu reduzieren, halte ich angesichts ihrer jahrzehntelangen Leistung für die sozialen Belange im Wiederaufbau Münchens und für die Rechte von Frauen zu verkürzt und ebenso engstirnig.

Auszeichnungen und Vermächtnis –
„Die Vernunft des Herzens überwindet oft den Verstand“ (B. Pascal)

1961 erhielt sie für Ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Zu ihrem 70. Geburtstag erhielt sie 1964 die Medaille „München leuchtet – den Freunden Münchens“ in Gold.
Aus Altersgründen trat sie am 8. April 1970 als Stadträtin zurück. Centa Hafenbrädl starb am 29. Dezember 1973 in Haar und wurde im Westfriedhof bestattet. Ihr nicht unerhebliches Vermögen, das die sie angespart hatte, ging zu einem guten Teil an caritative Einrichtungen bzw. an in diesem Bereich tätige Personen. Ihr Grab ist zwar 2003 aufgelöst worden, jedoch ist ihr Name auf dem Grabstein der Familie ihres Vetters Martin Hafenbrädl im Friedhof Pasing verewigt. Der „gestandenen CSU-Frau“8, wie Hildegard Hamm-Brücher sie in ihrer politischen Autobiographie nennt, hat die Stadt München eine nach ihr benannte Straße im Stadtteil Freiham gewidmet. Centa Hafenbrädl handelte nach dem Motto des französischen Philosophen Blaise Pascal (1623-1662) „Die Vernunft des Herzens überwindet oft den Verstand“, wie ihr Vetter Martin Hafenbrädl in einer Pressenotiz niederschrieb.9 Dieses Motto spiegelt sich nicht nur in ihrem politischen Wirken wider, sondern auch in ihrem persönlichen Leben. Die Sichtung und Aufarbeitung ihres Nachlasses ermöglicht es uns, ihre Lebensleistung angemessen zu würdigen und ihre Stimme in die heutige Zeit zu tragen.


  1. Vgl. StadtAM-DE-1992-PMB-H-6-Hafenbrädl-Franz-Xaver. ↩︎
  2. StAM-DE-1992-NL-HAF-Schreiben-Hafenbrädl-Centa-1946-ohne-Datum ↩︎
  3. 1952: Korreferentin des Sozialreferats; Hauptwohlfahrtsausschuss; Personalausschuss; Schulausschuss; Vertreterin im Nothilfeausschuss. Verwaltungsrätin: Direktorium A Säuglinge und Kleinkinder, Säuglingsschutz; Altersheim Heiliggeist; Kinderkrippe Adalbertstraße 106; Schulkinderspeisung; Schulgebäude Winthirplatz 6; Schulgebäude Südl. Auffahrtsallee 82; Schulgebäude Maria-Ward-Straße 1; 1956: Korreferentin des Sozialreferats; Personalausschuss; Sozialausschuss; Wirtschaftsausschuss; Verwaltungsrätin: Krankenhaus Pappenheimstraße; Alterheim Heiliggeist; Kinderkrippe Adalbertstraße 106; Schulgebäude: Maria-Ward-Straße 1; Südl. Auffahrtsallee 82; Winthirplatz 6; Vertretung: Verwaltungsrat Krankenhaus Oberföhring; Mädchenheim a.d. Hochäckerstraße 10; Hochbunker a. d. Quellenstraße u.a.d. Thalkirchner Straße Frauenherbergen; Schulgebäude: Institutstraße 4 (Pasing), Oselstraße 1; Schererplatz 3 ↩︎
  4. Vgl. StadtAM-DE-1992-NL-HAF-internationale Zeitungsausschnitte. ↩︎
  5. Vgl. StadtAM-DE-1992-NL-HAF. ↩︎
  6. StadtAM-DE-1992-NL-HAF. ↩︎
  7. StadtAM-DE-1992-NL-HAF-Schreiben Hamm an Hafenbrädl vom 30.06.1955. ↩︎
  8. Hamm-Brücher, Hildegard, Freiheit ist mehr als ein Wort. Eine Lebensbilanz. 1921-1996, Köln 1996, 116. ↩︎
  9. Vgl. StadtAM-DE-1992-NL-HAF. ↩︎

Münchens Altoberbürgermeister Georg Kronawitter – ein beharrlicher Advokat von Wohnraum und städtischem Grün

Ende April 2026 jährt sich der Todestag von Georg Kronawitter zum zehnten Mal. Der Altoberbürgermeister, der am 28. April 2016 im Alter von 88 Jahren verstarb, gehört zu den prägenden politischen Persönlichkeiten der jüngeren Münchner Stadtgeschichte. Seine beiden Amtszeiten – 1972 bis 1978 und 1984 bis 1993 – fielen in eine Phase tiefgreifender städtebaulicher, sozialer und ökologischer Herausforderungen. Kronawitter begegnete ihnen mit einer Haltung, die bis heute nachwirkt: dem entschiedenen Einsatz für bezahlbaren Wohnraum und den Erhalt städtischer Grünräume.

Geboren 1928 in Oberthann bei Pfaffenhofen an der Ilm und aufgewachsen in bäuerlichen Verhältnissen, war sich Kronawitter seiner Herkunft stets bewusst. Sein politisches Selbstverständnis speiste sich aus der Erfahrung sozialer Verwundbarkeit und dem Wissen um die Bedeutung stabiler Lebensverhältnisse. Weggefährten erlebten ihn als geradlinig, standhaft und hartnäckig – Eigenschaften, die ihm nicht nur Respekt, sondern auch Konflikte einbrachten. Doch gerade diese Entschlossenheit machte ihn zu einem glaubwürdigen Anwalt derjenigen, die in einer Stadt im Wandel Gefahr liefen, an den Rand gedrängt zu werden.

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Paul Heyse – Münchens erster Nobelpreisträger für Literatur und ein Grab mit Stil

München um 1900: Künstler, Dichter und Denker treffen sich in den Cafés rund um den Königsplatz. Zwischen den dampfenden Kaffeetassen und Zigarrenrauch und dichterischem Ehrgeiz sitzt oft einer, der mit seiner Eleganz und seinem feinen Witz auffällt – Paul Heyse. Schriftsteller, Übersetzer, Menschenfreund, Lebenskünstler. Ein Mann, der es schaffte, ganze Generationen zum Träumen zu bringen – und 1910 den Nobelpreis für Literatur erhielt.


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München nach Olympia 1972 – Brennpunkt Kommunalwahlkämpfe

Wir laden Sie herzlich ein zu unserer Veranstaltung
München nach Olympia 1972 – Brennpunkt Kommunalwahlkämpfe
Historische Rückblicke – Interviews – Kurzvorträge – Diskussion

Veranstaltungsort: Großer Sitzungssaal, Neues Rathaus, Marienplatz 8, 80331 München
Datum: 15. Oktober 2025 von 19.00 Uhr bis ca. 21.00 Uhr

Das Programm:

  • Begrüßung und Moderation: Dr. Daniel Baumann, Leiter des Stadtarchivs München
  • Grußwort: Anne Hübner, ehrenamtliche Stadträtin der Landeshauptstadt München, Vorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion
  • Kurzvortrag: PD Dr. Thomas Schlemmer, Institut für Zeitgeschichte München – Berlin: Politische Strukturen und Wahlen in München 1966 bis 1994
  • Videointerviews: Zeitzeug*innen blicken auf die Münchner Kommunalwahlkämpfe zurück, u.a. mit:
    • Wolfgang Czisch (1973-1996 ehrenamtlicher Stadtrat (SPD))
    • Horst Haffner (1978-1988 ehrenamtlicher Stadtrat (FDP), 1988-2004 Baureferent)
    • Dr. Siegfried Hummel (1988-1998 Kulturreferent)
    • Friedel Schreyögg (1985-2008 Leiterin der Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt München)
  • Kurzvortrag: Prof. Dr. Marita Krauss, Universität Augsburg: „Uns sind 400.000 Mieter wichtiger als eine Handvoll Baulöwen und Spekulanten“. Wahlkampfthemen der Ära Kronawitter und Kiesl

Anschließend: Fragen aus dem Publikum

Veranstalter: Landeshauptstadt München, Direktorium – Stadtarchiv und Kulturreferat – Abt. 4: Public History München, in Kooperation mit dem Institut für Zeitgeschichte München – Berlin und dem Lehrstuhl für Europäische Regionalgeschichte sowie Bayerische und Schwäbische Landesgeschichte der Universität Augsburg

Verbindliche Anmeldung unter https://veranstaltungen.muenchen.de/stadtarchiv/veranstaltungen/1972-kommunalwahlkaempfe/


Datenschutz ist uns ein wichtiges Anliegen. Daher möchten wir Sie darauf hinweisen, dass bei der Veranstaltung Fotos gefertigt werden, insbesondere Übersichtsaufnahmen. Die Aufnahmen finden im Rahmen unserer Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Verwendung. Wenn Sie nicht fotografiert werden möchten, sprechen Sie bitte vor der Veranstaltung den anwesenden Fotografen oder die anwesende Fotografin an, damit Ihr Wunsch berücksichtigt werden kann.

„Auf Befehl der Militärregierung….“

Fingerabdrücke sind bei jedem Menschen individuell und für die Arbeit der Polizei auch heute nicht wegzudenken. Das FBI besaß bereits Ende der 1940er Jahre über 100 Millionen Fingerabdrücke von verurteilten Verbrechern, Verdächtigen, von Mitarbeitenden im militärischen Bereich und Ausländerinnen und Ausländern. Das Bundeskriminalamt verarbeitete 2024 rund 1,1, Millionen Fingerabdrücke. Und auch im Stadtarchiv findet sich eine Sammlung von 418 dicht gefüllten Archivboxen mit Fingerabdrücken der Münchner Bevölkerung. Fingerabdrücke im Archiv? Auf den ersten Blick mag das verwundern. Die Hintergründe für diese archivische Quelle führen in den Sommer 1945.

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Stadtarchiv unter Strom – Wie das Münchner Stadtarchiv die Sonne für den Klimaschutz nutzt

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Blick über das Dach mit Photovoltaik-Platten, im Hintergrund der Olympiaturm
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Wenn Geschichte auf Zukunft trifft

Das Stadtarchiv München ist nicht nur ein Ort für historische Schätze, sondern nun auch ein echtes Vorzeigeprojekt in Sachen Klimaschutz. Auf dem rund 860 m² großen Dach des Magazinneubaus an der Winzererstraße wurde in enger Zusammenarbeit von Baureferat, Kommunalreferat und Stadtarchiv eine leistungsstarke Photovoltaik-Anlage installiert, die jährlich rund 100.000 kWh Sonnenstrom liefert. Das entspricht einer CO₂-Ersparnis von rund 42 Tonnen pro Jahr – ein beachtlicher Beitrag auf dem Weg zur klimaneutralen Stadtverwaltung.

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Der Lesesaal im Stadtarchiv geht in die Zukunft

Auch ein Lesesaal kommt in die Jahre – zumindest was die elektronische Ausstattung betrifft. So wurde im Sommer 2024 die Deckenbeleuchtung des Lesesaals erneuert und damit ein höherer Grad an Helligkeit hergestellt. Dies erleichtert die Arbeit an den Originaldokumenten ebenso wie auch die Suche in der gut aufgestellten Handbibliothek im Lesesaal.
Da die meisten Besucher*innen des Lesesaals mittlerweile mit eigenem Laptop arbeiten, gibt es schon seit vielen Jahren Steckdosen am Arbeitsplatz. Auch kostenfreies WLAN ist vorhanden.

Eigenständiges Scanen von Archivalien mit dem Bookeye

Was die Arbeit nun aber sowohl für die Besucher*innen als auch für die Mitarbeiter*innen im Lesesaal erheblich erleichtert, ist ein Bookeye, welches seit Jahresanfang zur Verfügung steht. Dabei handelt es sich um einen Scanner, mit dem die Benutzer*innen selbst nun auch aus gebundenen Archivalien digitale Kopien erstellen können. Bisher konnten Benutzer*innen nur aus nicht gebundenen Archivalien und standesamtlichen Registern mit eigenen Geräten digitale Aufnahmen fertigen.

So sieht der neue Buchscanner aus.
Durch die Buchwippe können nun auch gebundene Unterlagen schonend gescannt werden.

Zum Speichern benötigen sie einen USB-Stick, den sie selbst mitbringen oder um einen Preis von 10 Euro erwerben können. Nach wie vor gilt, dass nur aus Archivgut, das älter als 60 Jahre ist, von den Benutzer*innen selbst digitale Aufnahmen gefertigt werden dürfen.

Einschränkungen des Scannens durch Benutzer*innen

Voraussetzung hierfür ist allerdings, dass keine archivischen oder datenschutzrechtlichen Schutzfristen oder konservatorische Belange entgegenstehen. Unterliegt das Archivgut noch urheberrechtlichen Einschränkungen, dürfen die selbst angefertigten Fotos oder Scans nur für persönliche Zwecke bzw. Arbeitszwecke verwendet werden. Digitale Kopien oder Reproduktionen von Fotos müssen weiterhin beim Stadtarchiv in Auftrag gegeben werden.

Hochauflösende Reproduktionen weiterhin bestellbar

Wer nicht selbst fotografieren möchte bzw. hochauflösende Scans zur Veröffentlichung benötigt, kann natürlich nach wie vor einen kostenpflichtigen Reproduktionsantrag in Auftrag geben. So schnell wie möglich erhalten die Kund*innen dann die gewünschten Scans entweder über unsere Datenaustauschplattform, per Postversand oder durch Abholung.

Überzeugen Sie sich einfach vor Ort von den Neuerungen in unserem Lesesaal. Wir freuen uns auf Sie!


Auf der Suche nach den „Munich Roots“

English version below!

Vom 4. bis 8. November 2024 besuchten die Nachfahr*innen von acht jüdischen Münchner Familien, die im Jahr 1939 zwangsweise ihre Gold- und Silberobjekte an das Städtische Leihamt abliefern mussten, die Landeshauptstadt. Einen Nachmittag verbrachten die heute über die ganze Welt verstreuten Nachkommen im Stadtarchiv, um Einblicke in die Lebensgeschichten und Schicksale ihrer Vorfahren zu erhalten.

Hintergrund des Besuchsprogramms bildete die Restitution von Wert- und Kunstgegenständen aus dem Besitz des Stadtmuseums an die Nachfahr*innen und Erb*innen der Münchner jüdischen Familien, denen sie im Jahr 1939 durch eine Zwangsmaßnahme der Nationalsozialisten entzogen worden waren. Das geschah damals auf der Basis der am 21. Februar 1939 erlassenen „Dritten Anordnung auf Grund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“. Bei dieser bürokratisch verbrämten Anordnung handelte es sich um eine weitere Willkürmaßnahme, mit der die Vernichtung der wirtschaftlichen und bürgerlichen Existenz der deutschen Juden noch weiter vorangetrieben wurde. Über 2.000 jüdische Münchner*innen mussten daraufhin innerhalb von zwei Wochen ihre Wertgegenstände beim Städtischen Leihamt in der Augustenstraße 20 zwangsweise abliefern.

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Die Edition der Protokolle des Münchner Stadtrats der Jahre 1459 bis 1554

Neben den Kammerrechnungen (ab 1318) und den Steuerbüchern (ab 1368) sind die Ratsprotokolle (ab 1459) einer der zentralen historischen Bestände im Stadtarchiv München. Sie geben genaue Auskunft über die personelle Zusammensetzung der kommunalen Entscheidungsgremien und die von ihnen zu regelnden Angelegenheiten der Münchner Stadtgesellschaft.
Dr. Helmuth Stahleder, ehemaliger stellvertretender Leiter des Stadtarchivs München, transkribierte die frühen Bände und erschloss sie durch Personen-, Ortsnamen- und Sachregister sowie ausführliche Kommentierungen.

Die Entwicklung des Münchener Inneren und Äußeren Rats

Lag die Stadtgewalt ursprünglich in den Händen stadtherrlicher Dienstleute, also eines herzoglichen Richters, Zöllners, Münzer etc., so übertrug Herzog Ludwig der Strenge die Stadtverwaltung einem stadtbürgerlichen Gremium, das 1286 erstmals schriftlich in Erscheinung trat. Mitglieder waren ausschließlich hochvermögende Bürger. 1294 erließ Herzog Rudolf I. ein erstes Stadtrecht, das eine eindeutige Mitbestimmung des 12-köpfigen Rats (Satzungs-, Ordnung- und Gerichtsgewalt) zuließ.

1318 trat zu diesem Gremium, das nun als Innerer Rat bezeichnet wurde, ein 24-köpfiger Äußerer Rat. Ihm gehörten Bürger der aufsteigenden Mittelschicht und Zunfthandwerker an. Da die Tätigkeit im Rat zeitaufwendig und bis Ende des 16. Jahrhunderts ehrenamtlich war, konnten sich allerdings auch dort nur vermögendere Bürgern eine Mitarbeit erlauben.

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Münchner*innen in der Fremde – Eine Annäherung in Texten (Folge 2, Petra 1914)

„Geschichten aus dem Stadtarchiv“ war ein neuer Programmpunkt zum diesjährigen Tag der Archive am 2. März 2024. Hierbei handelte es sich um eine Lesung aus archivalischen Quellen, die als gemeinsamen roten Faden das Thema „Münchner*innen in der Fremde“ in sich trugen. Als Zeitrahmen wurde das 20. Jahrhundert gewählt.

Für einen Aufenthalt in der Fremde gibt es viele Gründe. Es kann eine Urlaubsreise sein, es kann berufliche Gründe haben, es kann Abenteuerlust sein, es können aber auch politische Gründe den Anlass geben, die Heimatstadt verlassen zu müssen. All diese Facetten sollten in den vier ausgewählten Texten beleuchtet werden. Hierbei handelte es sich um Briefe, Erinnerungen und Berichte von drei Münchnern und einer Münchnerin, die in chronologischer Abfolge vorgestellt werden. Vor der Lesung der Texte erfolgte am Tag der Archive durch den Autor dieses Beitrags eine kurze Hinführung zum sachlichen und historischen Kontext der Quelle sowie zum biografischen Hintergrund der Verfasser*innen bis zur Abfassung des Textes bzw. bis zum Eintritt der darin geschilderten Ereignisse. Abgeschlossen wurde jede Lesung mit Informationen zum weiteren Lebensweg der Verfasser*innen.1

Folge 2: Bericht der Bildhauerin Ilse von Twardowski-Conrat über eine Reise zu der Felsenstadt Petra im heutigen Jordanien im Frühjahr 1914. Handschriftliches Manuskript. o. J. [1937-1942], Maschinenschriftliche Abschrift der Tochter Elisabeth Kahmann, München, o.J. [um 1980] (DE-1992-NL-TWA-08).2

Fassade mit Säulen, in den Fels getrieben
Ansicht von Petra, das sogenannte „Schatzhaus des Pharao“;
DE-1992-NL-TWA-08
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